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Abfindung & Betriebsrente

Abfindung 2026 oder 2027? So wählst du den richtigen Zeitpunkt

Ob deine Abfindung im Dezember oder im Januar fließt, kann über 20.000 € Steuer ausmachen. Mit einem IAB kann sich das Bild deutlich verbessern. Dazu kommt die geplante Steuerreform 2027.

Michael Rehberger6 Minuten Lesezeit

Viele, die gerade ein Abfindungsangebot bekommen, scheiden zum 31. Dezember 2026 aus. Dann stellt sich eine Frage, die kaum jemand auf dem Schirm hat: Wird die Abfindung noch im Dezember ausgezahlt oder erst im Januar 2027? Das klingt nach einer Formalie. Es kann aber über zehntausende Euro Steuer entscheiden.

Tipp: Wie viel Steuer bei deinen Zahlen in welchem Jahr anfällt, siehst du sofort mit meinem Abfindungsrechner →

Warum der Zeitpunkt so viel ausmacht

Für die Steuer zählt das Jahr, in dem das Geld auf deinem Konto ankommt. Fließt die Abfindung im Dezember, kommt sie oben auf dein volles Jahresgehalt. Dann landet fast alles beim Spitzensteuersatz von 42 % oder sogar bei 45 %.

Fließt sie im Januar, sieht es anders aus. Im neuen Jahr hast du oft nur wenig weiteres Einkommen, etwa weil du dir eine Auszeit nimmst oder erst später eine neue Stelle antrittst. Genau dann wirkt die Fünftelregelung richtig: Sie tut so, als würde die Abfindung auf fünf Jahre verteilt, und das hilft vor allem, wenn dein übriges Einkommen niedrig ist.

Seit 2025 rechnet dein Arbeitgeber die Fünftelregelung beim Lohnsteuerabzug übrigens nicht mehr ein. Du bekommst die Ermäßigung erst über deine Steuererklärung. Die solltest du deshalb in jedem Fall abgeben.

Das Rechenbeispiel

Ein lediger Bereichsleiter scheidet zum 31.12.2026 aus. Sein zu versteuerndes Einkommen 2026 liegt bei 150.000 €. Seine Abfindung beträgt 300.000 €. 2027 nimmt er sich eine längere Auszeit und hat nur rund 20.000 € weiteres zu versteuerndes Einkommen, etwa aus einer Vermietung.

Einkommensteuer 2026 und 2027 zusammen:

  • Auszahlung im Dezember 2026: rund 179.400 €
  • Auszahlung im Januar 2027: rund 157.900 €
  • Auszahlung im Dezember 2026 und IAB von 150.000 € (Investition 300.000 €) im Jahr 2026: rund 72.700 €
  • Auszahlung im Januar 2027 und IAB von 150.000 € im Jahr 2027: rund 78.700 €

Gerechnet mit dem Grundtarif 2026 für beide Jahre, ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Ohne IAB spart der Januar hier rund 21.500 €. Im Dezember bringt die Fünftelregelung bei diesem Gehalt kaum etwas. Im Januar dagegen wirkt sie, weil das übrige Einkommen niedrig ist.

Mit IAB dreht sich das Bild: Dann ist der Dezember sogar rund 6.000 € günstiger. Der Grund: Im Dezember verrechnet sich der IAB mit einem Gehalt, das sonst mit 42 % besteuert würde. Im Januar trifft er auf ein Jahr, in dem ohnehin wenig zu versteuern ist. So oder so liegt die Steuer mit IAB um über 100.000 € niedriger als ohne jede Gestaltung.

Die Lehre daraus: Den Zeitpunkt und den IAB immer zusammen planen. Welche Variante gewinnt, hängt von deinem Einkommen im Folgejahr ab.

Darf ich den Zeitpunkt einfach verschieben?

Ja, wenn du es rechtzeitig vereinbarst. Arbeitgeber und Arbeitnehmer dürfen festlegen, wann die Abfindung fällig wird. Der Bundesfinanzhof hat das bestätigt (Urteil vom 11.11.2009, IX R 1/09). Wichtig ist nur: Die Vereinbarung muss getroffen werden, bevor die Abfindung fällig ist. Am einfachsten steht der Auszahlungstermin gleich im Aufhebungsvertrag, etwa „zahlbar mit der Januarabrechnung 2027“.

Viele Unternehmen mit Freiwilligenprogrammen kennen diesen Wunsch und gehen darauf ein. Frag einfach nach, bevor du unterschreibst.

Was die Steuerreform 2027 ändert

Für 2027 plant die Bundesregierung eine Einkommensteuerreform. Das Kabinett hat den Entwurf am 2. September 2026 beschlossen, Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Die wichtigsten Punkte:

  • Der Grundfreibetrag steigt von 12.348 € auf 12.564 €.
  • Der Spitzensteuersatz von 42 % soll erst ab rund 70.600 € greifen (2026: 69.879 €).
  • Neu: 45 % schon ab 250.000 € zu versteuerndem Einkommen (bisher ab 277.826 €) und 47 % ab 280.000 €.

Wer 2027 kaum weiteres Einkommen hat, ist davon wenig betroffen, weil die Fünftelregelung die Abfindung rechnerisch verteilt. Wer dagegen 2027 weiter gut verdient und eine hohe Abfindung bekommt, rutscht schneller in die neuen Stufen von 45 und 47 %. Dann spricht noch mehr für den Dezember 2026. Beide Varianten durchzurechnen lohnt sich deshalb immer.

Der IAB im Jahr der Auszahlung

Mit dem Investitionsabzugsbetrag kannst du bis zu 50 % einer geplanten Investition schon vorab steuerlich abziehen. Das geht über einen eigenen kleinen Betrieb, etwa eine gewerbliche Photovoltaik-Anlage, einen Batteriespeicher, eine Kompostieranlage oder ein Tiny House. Je Betrieb sind bis zu 200.000 € IAB möglich. Den Verlust aus diesem Betrieb verrechnet das Finanzamt mit deinem übrigen Einkommen im selben Jahr – also genau im Jahr der Abfindung.

Wichtig: IAB und Abfindung müssen steuerlich in dasselbe Jahr fallen. Wer den Zahlungstermin auf Januar 2027 legt, plant auch den IAB für 2027.

Der IAB verschiebt einen Teil der Steuer in spätere Jahre. Wer weiterhin ein hohes zu versteuerndes Einkommen hat, kann den IAB in Zukunft mehrfach nutzen und so sein zu versteuerndes Einkommen dauerhaft senken.

Worauf du achten musst

  • Rechtzeitig vereinbaren: Der Auszahlungstermin muss feststehen, bevor die Abfindung fällig wird.
  • Arbeitslosengeld: Beziehst du nach dem Ausscheiden Arbeitslosengeld, ist das zwar steuerfrei, erhöht aber den Steuersatz auf dein übriges Einkommen (Progressionsvorbehalt). Das schmälert den Vorteil im Januar. Rechne es mit ein.
  • Sperrzeit und Ruhen: Ob ein Aufhebungsvertrag eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld auslöst, hat nichts mit dem Auszahlungstermin zu tun. Kläre das vorher mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht.
  • Steuererklärung abgeben: Die Fünftelregelung gibt es nur noch über die Erklärung.
  • Das IAB-Projekt muss sich rechnen. Eine Investition nur wegen der Steuer zu tätigen, war noch nie eine gute Entscheidung.

Häufige Fragen

Ist eine Abfindung im Januar wirklich günstiger als im Dezember? Ohne IAB oft ja, wenn du im neuen Jahr deutlich weniger verdienst. Mit IAB kann der Dezember günstiger sein, weil der IAB dann ein hoch besteuertes Gehalt mindert. Rechne beide Varianten durch.

Kann ich den Auszahlungstermin noch nachträglich ändern? Nur, solange die Abfindung noch nicht fällig ist. Ist sie schon fällig oder ausgezahlt, geht das nicht mehr.

Was bringt die Steuerreform 2027 für meine Abfindung? Bei geringem übrigen Einkommen eine kleine Entlastung. Liegt dein zu versteuerndes Einkommen 2027 über 250.000 €, greifen die neuen Stufen von 45 und 47 %. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet.

Bis wann muss ich den IAB bilden? Für das Jahr, in dem die Abfindung fließt. Er wird in der Steuererklärung für dieses Jahr geltend gemacht.

Fazit

Bei einer Abfindung zum Jahresende kann ein einziger Monat über 20.000 € entscheiden. Welcher Termin besser ist, hängt aber davon ab, ob du einen IAB nutzt und wie viel du im Folgejahr verdienst. Mit IAB liegt die Steuer in beiden Fällen um über 100.000 € unter der Dezember-Auszahlung ohne Gestaltung. Rechne beide Termine durch, bevor du den Aufhebungsvertrag unterschreibst.

Ich begleite dich von der Einordnung deiner persönlichen Situation bis zur Entscheidungsfindung und Umsetzung. Dazu bringe ich dich mit ausgewählten Partnern zusammen. Die steuerliche Bewertung gehört in die Hände deines Steuerberaters. Mehr zum IAB findest du in meinem kostenlosen E-Book und im Beitrag Abfindung 2026: So bleibt bei BMW, Mercedes & Co. mehr übrig.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.

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